Effilierschere richtig anwenden – wofür sie gedacht ist

Eine Effilierschere kürzt nicht – sie dünnt aus. Das ist der ganze Zweck des Instruments und zugleich der Grund, warum sie beim ersten Mal so oft falsch eingesetzt wird. Dieser Ratgeber erklärt, was die Zahnung bewirkt, wo im Haar geschnitten wird und woran Sie eine Schere erkennen, die zu Ihrem Vorhaben passt.

Wofür eine Effilierschere gedacht ist

Bei einer normalen Haarschere trifft Schneide auf Schneide – das Haar wird auf ganzer Linie durchtrennt. Bei der Effilierschere steht einer glatten Schneide eine gezahnte gegenüber. Zwischen den Zähnen rutschen Haare hindurch, nur die Haare über den Zahnlücken werden gekürzt.

Das Ergebnis: Die Haarlänge bleibt sichtbar erhalten, das Volumen nimmt ab. Sinnvoll ist das bei

  • dickem, schwerem Haar, das nicht fällt, sondern aufliegt,
  • harten Absätzen zwischen zwei Längen, die weicher auslaufen sollen,
  • Pony- und Konturübergängen,
  • Bart und Nacken, wo eine gerade Kante zu hart wirkt.

Nicht sinnvoll ist sie bei feinem oder dünnem Haar, bei krausem Haar, das zum Abstehen neigt, und überall dort, wo eigentlich Länge weg soll. Dafür ist die normale Haarschere zuständig.

Einseitig oder beidseitig verzahnt?

  • Einseitig verzahnt (eine glatte, eine gezahnte Schneide): nimmt pro Schnitt deutlich mehr Haar weg. Der Klassiker fürs echte Ausdünnen dicker Haare. Wird auch als Modellierschere bezeichnet.
  • Beidseitig verzahnt (beide Schneiden gezahnt): nimmt pro Schnitt weniger weg und hinterlässt einen weicheren, unauffälligeren Übergang. Verzeihender, wenn man wenig Übung hat.

Die Begriffe „Effilierschere“ und „Modellierschere“ werden im Handel nicht einheitlich verwendet. Verlassen Sie sich nicht auf den Namen, sondern auf zwei Angaben: ein- oder beidseitig verzahnt und Zahnanzahl.

Die Zahnanzahl entscheidet über die Abnahme

Je weniger und je breiter die Zähne, desto mehr Haar geht pro Schnitt. Als Orientierung:

  • Wenige, breite Zähne – kräftige Abnahme. Für sehr dichtes Haar und grobes Ausdünnen. Fehler sind hier gut sichtbar.
  • Mittlere Zahnung – der Allrounder für den Hausgebrauch.
  • Viele, feine Zähne – geringe Abnahme pro Schnitt. Für Übergänge, Konturen und alles, was unsichtbar bleiben soll.

Wer nur eine Schere kauft, fährt mit einer mittleren bis feinen Zahnung sicherer: zu wenig abgenommen lässt sich korrigieren, zu viel nicht.

Anwendung: die drei Regeln

  1. Abstand zum Ansatz halten. Nie direkt am Haaransatz effilieren. Mindestens eine Handbreit Abstand – sonst stehen die gekürzten Haare später als Flaum ab.
  2. Im unteren Drittel arbeiten. Die Strähne abheben, die Schere schräg ansetzen und im unteren Bereich der Länge einmal schließen. Dann auskämmen und das Ergebnis ansehen, bevor Sie erneut schneiden.
  3. Einmal schließen, nicht mehrfach an derselben Stelle. Zwei Schnitte an der gleichen Stelle nehmen doppelt so viel weg – sichtbar wird das erst beim Trocknen.

Zwei Punkte, die häufig übersehen werden: Effiliert wird üblicherweise am trockenen Haar, weil nasses Haar mehr verbirgt, als es zeigt – die Abnahme fällt sonst regelmäßig zu stark aus. Und die Schere wird schräg zur Strähne geführt, nicht im rechten Winkel; das ergibt einen weicheren Auslauf.

Woran Sie eine gute Effilierschere erkennen

  • Sauber ausgearbeitete Zähne. Grate oder ungleichmäßige Lücken zerren am Haar, statt es zu schneiden – das spürt man sofort.
  • Spielfreier Gang. Die Halme dürfen nicht seitlich wackeln. Eine einstellbare Schraube ist ein gutes Zeichen.
  • Fingerauflage. Entlastet den kleinen Finger, wenn länger gearbeitet wird.
  • Rostfreier Stahl. Selbstverständlich, wenn die Schere Feuchtigkeit oder Desinfektion sieht – was die Bezeichnungen bedeuten, steht in Rostfrei, vernickelt, Edelstahl.

Wichtig: Verzahnte Scheren lassen sich nicht nachschleifen

Eine Effilierschere wird selten stumpf im üblichen Sinn – sie beginnt zu ziehen. Anders als bei einer glatten Haarschere ist das aber kein Fall für den Schleifservice: Beim Nachschleifen würde die Zahnung zerstört. Eine verschlissene Effilier- oder Modellierschere wird ersetzt, nicht repariert.

Das ist das stärkste Argument dafür, gleich eine sauber verarbeitete Schere zu kaufen – der Preisunterschied verteilt sich über die gesamte Lebensdauer, und die lässt sich hier nicht verlängern. Für glatte Haar- und Nagelscheren gilt das nicht; wann sich Nachschleifen dort lohnt, steht in Scheren schärfen lassen.

Linkshänder finden die Begründung für eine echte Linkshänderschere in Scheren für Linkshänder.

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